Labor Künstlerische Forschung

 

 

1. Materialism/s oder: Materialbegriffe in Tanz und Musik

 

Jan Burkhardt & Constanze Schellow
TERMINE: 12./13.11., 09./10.12.
ORT: nach Absprache.

Im Tanz wird die doppelte Bedeutung des Wortes ‚Haltung‘ konkret: Sie ist immer beides – eine körperliche Geste, der zugleich eine Einstellung im Sinne einer vielleicht ästhetisch fundierten, latent aber immer schon politischen Perspektive auf die Welt innewohnt. In Körpertechniken und Bewegungspraktiken sind immer auch Haltungen zum Verhältnis von Körpern zueinander und zu ihrem Lebens- und Handlungsraum wirksam.

Wir wollen, ausgehend vom Thema des AR-Labs, experimentell erkunden, inwiefern die Frage nach dem künstlerischen ‚Material‘ im Tanz, aber auch in musikalischen Praktiken etwa der Komposition oder Instrumentalpraxis unmittelbar mit der Frage künstlerischer Handlungsfähigkeit verknüpft ist.

Wie und durch welche Prozesse erhält etwas den Status eines künstlerischen ‚Materials‘, und inwiefern fordert uns ein solches Material zu bestimmten gestalterischen Handlungen und Verhaltensweisen auf? Inwiefern verschränken sich dabei Prozesse der (Selbst-)Distanzierung und der Verkörperung? Und – unter Einbeziehung von Fragen aus neueren philosophischen Strömungen wie des New Materialism: Was würde es in scheinbar so stark auf menschlichen Ausdruck im Zentrum ausgerichteten Kunstformen bedeuten, eine künstlerische Haltung einzunehmen, die nicht nur menschlichen Subjekten, sondern auch Dingen und eben: Materialien/Materialitäten Handlungsfähigkeit zugesteht?

Wir laden über den Verlauf des gesamten Semesters in drei Formaten zu einer Reflexion dieser Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven in unterschiedlichen Erfahrungsräumen ein (die auch einzeln zur Teilnahme offen sind):  

1. Materialism/s #1: the practice – ein Block im Tanz-training mit Jan Burkhardt wird im Dialog mit Constanze Schellow dazu genutzt, um praktisch mit Bedeutungen von Begriffen wie ‚Material‘, ‚Materialität‘ oder ‚Materialismus‘ zu experimentieren (Teilnahme interessierter Gäste aus dem Musikbereich je nach körperlichem Er-fahrungsgrad möglich),

2. Materialism/s #2: the lab – ein in drei Blöcken von je zwei Nachmittagen durchgeführter Workshop lädt inter-disziplinäre PraktikerInnen dazu ein, den Prozess einer Materialbearbeitung in ihrem Medium von der Auswahl über die Durchdringung des Materials bis hin zu der Frage, welche ‚Ordnungen des Sinnlichen‘ sich über ein bestimmtes Material herstellen (lassen) gemeinsam und im Austausch durchzuspielen (offen für Studierende aller Fächer an der HfMT),

3. Materialism/s #3: the encounters – ergänzend hosten wir im ZZT drei dialogische Begegnungen je zweier PraktikerInnen unterschiedlicher Felder, die mit verbalen und anderen Mitteln ihre Auffassungen von ‚Material‘ verhandeln (offen für die gesamte Hochschule).

2. re.act activism #2

 

Nina Patricia Hänel & Constanze Schellow

TERMINE: 27.11., 11.12., 08.01., 22.01., 05.02. jeweils von 15.30-18.30 Uhr

ORT: Zentrum für Zeitgenössischen Tanz.

“The world needs my participation more than ever. Again, it’s not a question of whether, but how.” (Jenny Odell)

Aktivistisches Denken und Handeln ist in Alltagspraktiken jedes/r Einzelnen potenziell vorhanden – auch vor dem Hintergrund spezifischer Expertisen Einzelner bzw. von Gruppierungen/communities. Er erschöpft sich daher nicht in der Protestaktion oder Widerständigkeit allein. Er geht von einem nachhaltigen Denken und Handeln aus und kann potenziell alle Lebensbereiche mit umgestalten helfen, z.B. gesellschaftliche, soziale, urbane, ökonomische, ökologische und/oder Bildungssysteme.

Eine ecosia-Recherche von nur 10 Klicks ergibt etwa folgende Unterscheidungen: regenerativer Aktivismus, nachhaltiger Aktivismus, politischer Aktivismus, evolutionärer Aktivismus, kreativer Aktivismus, queerer Aktivismus, feministischer Aktivismus, subtiler Aktivismus, Alltagsaktivismus, Online-Aktivismus, bis hin zu Klicktivismus, Liketivismus und Twiktivismus. 

Im Rahmen dieses Labors geht es uns um die Frage, was genau ein Alltagshandeln zu einer spezifischen aktivistischen Handlung macht. Wir wollen untersuchen, was Aktivismus bzw. ein nicht sich selbst genügendes Handeln für den/die Einzelne heute sein kann/soll und im Anschluss daran nach der gerade heute besonderen Beziehung zwischen künstlerischer Praxis und politischer Mobilisierung fragen.

Wir setzen damit eine im Sommersemester 2020 begonnene Auseinandersetzung mit möglichen Konstellationen von Aktivismus und künstlerischer Praxis unter dem Einfluss der COVID-19-Pandemie fort. re.act activism #1 befasste sich im Kern mit der Differenz und Überschneidungen zwischen künstlerischem, politischem und aktivistischem Handeln. Dabei war die Notwendigkeit, in der Situation des Lockdowns unsere Auffassungen von Räumen und Kategorien des ‚Öffentlichen‘ und ‚Privaten‘, des ‚Individuellen‘ und ‚Gemeinschaftlichen‘, des ‚Offenen‘ und ‚Geschlossenen‘ zu hinterfragen, mitbestimmend für den Verlauf des Seminars. Nun, im Prozess einer schrittweisen Normalisierung gilt es, diese Verständnisse im sozialen Miteinander neu auszuhandeln.

re.act activism #2 öffnet hierfür einen Raum,  um unter-schiedliche Aspekte, Arbeitsweisen, Örtlichkeiten und Bedingungen der neuen Bewegungsfreiheit (die nicht die alte ist), bezogen auf politische und künstlerische Handlungsspielräume zu untersuchen: Online, im Studio und im öffentlichen Raum und im Dialog mit Texten, Gästen unterschiedlicher Praxisfelder, künstlerischen Arbeiten und eigenen Recherchen. Zentral ist dabei, die je eigene Praktiken und eigenes Handeln der Teilnehmenden untereinander hinsichtlich ihres aktivistischen, politischen und/oder künstlerischen Potenzials weiter zu befragen und zu erproben und dabei aktiv Orte/Örtlichkeiten zu variieren, an denen und von denen aus jene Untersuchungen stattfinden.

Globale und lokale Wechselwirkungen.

– Aufbau, Formate und Arbeitsweisen des Labors:

Gathering –  In den Gatherings wird ein Sichten, Sammeln, Zur-Verfügung-Stellen, (Neu-)Ausrichten je eigener Praktiken innerhalb temporärer Forschungsgruppen von 2-3 Studierenden ermöglicht. Als impulsgebende Möglichkeit, sich physisch zu begegnen sollen die Gatherings an 5 Terminen im ZZT oder an verschiedenen Orten im lokalen, urbanen Raum stattfinden.

Extending – Die Intention dieser insgesamt ca. 5 online-ZOOM-Formate ist es, mit jeweils wechselnden Personen, Gruppierungen oder Organisationen im Kon-text globaler, aktivistischer Praktiken in den Austausch zu kommen und sich vernetzen zu können. Hierfür wählenden die Studierenden-Kleingruppen aus einer Reihe von AkteurInnen jeweils eine/n GesprächspartnerIn aus. Im Gespräch können sie Einblick auf globale, aktivistische Perspektiven und Handlungsfelder erlangen und diese in Bezug zu Fragestellungen aus der eigenen Arbeit  bringen.

Engaging – Die Studierenden entwickeln künstlerische Interventionen in Kleingruppen in lokalen Kontexten, führen sie durch und dokumentieren sie. Die Intention dieser Formate ist das künstlerisch-praktische Forschen, Umsetzen und Reflektieren spezifischer aktivistischer Handlungsmodi in diversen Feldern und Kontexten und das Reflektieren der eigenen Praxis.

Das Labor findet im Zeitraum zwischen Mitte/Ende November 2020 und Anfang/Mitte Februar 2021 statt. Begleitend gepflegt wird ein Online-Dokumentationsformat (z.B. Ilias Folder, Blog, etc.).

3. Performing „Halt/ung“, Dancing Care and Competition – critical investigations into contemporary movement and dance practices 

  •  Practice Theory Seminar with Sevi Bayaktar & Yvonne Hardt
  • ATTENTION: the class will already start in October!!!

  • DATES: 06.10. 10.30–13.00 am; 09.10. 9.30–12 am; 12.–14.10. 14.30–17.30 pm; 30.11., 07.12., 20.01. 14.30–18.00 pm

Contemporary practices of dance and movement (research) ask students, dancers and performers a like to “take care of themselves and others.” Dance practices have become laboratories for investigating physical states, acts of sympathy, and creating collective experiences that take sharing and caring for others as central reference points. They provide techniques for somatically invest in one’s own experience to foster better trainings, develop new movement research and choreographic settings. They interlink medical and artistic discourses; they are part of a focus on creating individual (arstic) practices. But what exactly are the care practices that are involved and on what understanding of subjecthood are they grounded? The term „Haltung“ – or to develop „eine Haltung zu seiner eigenen Praxis“ are central terminologies in this regard. In this seminar we would like to investigate both in practice and in theory how a new „culture of care/mindfullness“ / culture of „Achtsamkeit“ is performed and ask for the underlying political and social implications.

For instance: How can this be linked to a popular focus on self-care that is supported by commercialism, consumption, and entangled neoliberal discourses of individualism such as time management, therapy, physical health, diet, and a constant self-optimization for productivity. How is care employed in moments of crisis and precarity? How does care in its relation to performative politics allow us to think of other notions of community-building through intersubjectivity, interdependency, nonviolence, grievability, and livability? What are the critical practices of care at individual, pedagogical, and (artistic, academic) institutional levels? Or, how do institutions reproduce neoliberal modes of care? Care as a potential collective act of political resistance and de-colonial solidarity-building, is also very much intertwined with dispute, dissensus, rivalry, and controversy over the resources.

These questions will be discussed in relation to texts and researched in practice and theory. Formats will be adjusted accordingly.

Some suggested readings for joined or individual:

Shannon Jackson: “Performance, Aesthetics, and Support”, in: dies: Social Works. Performing art, supporting publics, New York/London: Routledge 2011, S. 11-42.

Social Text - Special issue: "Radical Care" March 2020,

strategies of care across contexts in times of uncertainty and crisis.

read.dukeupress.edu/social-text/issue/38/1%20(142)

Sara Ahmed - "Selfcare as Warfare,"

feminist self-care as self-preservation and an act of political warfare to create fragile communities:

https://feministkilljoys.com/2014/08/25/selfcare-as-warfare/

4. „If I can’t dance, I don’t want to be part of your revolution“ (Emma Goldman 1869 - 1940)

 

Laurenz Gemmer & Corinna Vogel

TERMINE: 12.–16.10.2020 jeweils 09.00–13.30 Uhr

ORT: Raum 114.

In dieser Praxisveranstaltung werden die Möglichkeiten von Improvisation in Musik und Tanz im Hinblick auf ihre individuelle und politische Bedeutung hin ausgelotet.

Perspektivenwechsel werden angestrebt und realisiert, sei es durch den Wechsel vom Instrument in den Bewegungsraum, durch individuelle Erfahrungen, durch politische und fokal motivierte Improvisationsthemen und Impulse. 

Wir beschäftigen uns mit Fragen wie: Ist Improvisieren eine politische Haltung?

Auf welche Weisen kann Improvisation die Welt verändern? Auf welche Weisen kann Improvisation mich ver-ändern? Welche Bedeutung hat Emma Goldman für uns heute?

Spiele oder singe. Gib nicht auf. Tanze.

5. „Germania“? - Beethoven und die Idee des Nationalen in der Musik des ‚langen 19. Jahrhunderts‘

Sabine Meine

START: 02. November 2020

ZEIT: montags, 9.15-10.45 Uhr

ORT: Raum 13.

Die Nationsidee und damit verbunden die Frage nach dem Beitrag, den Musik zur Ausbildung einer nationalen Identität leisten kann, hat eine lange Geschichte. Schon Ludwig van Beethoven, ein aufmerksamer Beobachter der politischen Entwicklungen seiner Zeit, nahm nationale bzw. patriotische Themen und Ereignisse als Anstoß für eigene Kompositionen. Aus Anlass einer Tagung, welche die HfMT am 20./21.11. zum Beethovenjahr veranstaltet, werden wir im Seminar grundlegenden Fragen der Beziehung zwischen Musik und Patriotismus, Nationalismus sowie politischem Engagement nachgehen. Diese werden wir zunächst an ausgewählten Werken Beethovens diskutieren, darunter heute unpopulären Stücken wie „Wellington’s Sieg“ oder dem Gesang „Germania“, aber auch anhand der Rezeption der heute so populären IX. Sinfonie. Im weiteren Verlauf des Seminars wird der Blick dann auch auf andere Kompo-nist:innen und andere europäische Länder gerichtet - immer vor dem Hintergrund der Frage, welche Rolle die verschiedenen nationalen Bewegungen und die mit ihnen sympathisierenden Komponist:innen der Musik bei der Ausbildung einer nationalen Identität zuwiesen. Aufführungspraktische Aspekte spielen in dem Kammermusik-konzert „Auf den Spuren eines politisch bewussten Beethoven“ am 20.11.20 um 19.30 im Kammermusiksaal der HfMT, eine Rolle. Studierende sind hier willkommen.

Der Besuch dreier Vorträge (inkl. Konzert) der Tagung (20./21.11.) wird ebenso vorausgesetzt wie die regelmäßige Mitarbeit (d. h. Vorbereitung und Teilnahme an den Diskussionen) in den Seminarsitzungen. Das Seminar findet in Zusammenarbeit statt mit dem Lab Künstlerische Forschung zum Thema „Halt, Haltung, Verhalten. Künstlerisches Handeln zwischen Kontemplation und (politischem) Aktivism". 

6. Musik im Garten. Muße und Vergnügen an paradiesischen Orten der Kulturgeschichte

Sabine Meine

START: 03. November 2020

ZEIT: dienstags, 11.00-12.30 Uhr

ORT: Seminarraum Dagobertstraße.

Einer der beliebtesten und meistdiskutierten Orte unserer Gesellschaft ist der Garten, dessen kulturelle Bedeutung uns gerade heute in der Corona-Krise bewusst wird. Schon immer war der Garten auch ein Ort der Musik: als Raum der Erholung, Entspannung und Vergnügung hat er zum Musizieren eingeladen, als idealer Ort der Muße, und fern der Geschäftigkeit, verkörpert er Utopien und Gegenwelten, die Musik zum Ausdruck bringt.

Der engen Beziehung von Musik und Garten gehen wir in diesem Seminar nach, quer durch die Jahrhunderte, anhand verschiedener Fallbeispiele, studieren besondere historische Konstellationen von Gartenmusiken, sowie Bedeutungen von Musik, die von der Botanik und Floristik erzählt. Das Seminar steht allen Studierenden offen. Es bereitet zugleich auf ein Projekt vor, das im Folgesemester 2021 Musik und Kunst von Barockgärten gewidmet ist. Und das Seminar findet in Zusammenarbeit mit dem Lehrlabs Künstlerische Forschung zum Thema „Halt, Haltung, Verhalten. Künstlerisches Handeln zwischen Kontemplation und (politischem) Aktivismus“ statt.

7. Das Künstlerische in musikpädagogischen Praxen – Schnittstellen zwischen Kunst und Pädagogik

 

Anne Niessen & Heinz Geuen

START: 10. November 2020

ZEIT: dienstags, 9.15-10.45 Uhr

ORT: Raum 13.

Was geschieht eigentlich, wenn in musikpädagogischen Praxen innerhalb und außerhalb von Schule Kunst und Pädagogik aufeinandertreffen? Diese Frage werden wir durch verschiedene Themenbereiche und -felder hindurch verfolgen: Wir werden uns die Grundwidersprüche ansehen, mit denen pädagogisches und speziell musikpädagogisches Handeln konfrontiert ist, und wir werden uns mit aktuellen Theorieansätzen der (Musik-)Pädagogik zu diesem Themenfeld beschäftigen. Wir werden Videos analysieren, die Momente ästhetischen Erlebens einfangen, und zu erschließen versuchen, wie Menschen darüber berichten. Wir werden uns aber auch mit den eigenen künstlerischen Erfahrungen auseinandersetzen und mit Hilfe von ‚Versuchsanordnungen‘ erkunden, ob die Zwischenräume zwischen Kunst und Pädagogik, zum Beispiel in Momenten der musikalischen Erfahrung und der künstlerischen Entscheidung in bestimmten Settings sichtbar gemacht werden können. Weitere Schwerpunkte werden gemeinsam mit den Seminarteilnehmer*innen gesucht und gesetzt.

8. WERKSTATT-Seminar für Sänger*innen/Instrumentalist*innen 

 

Dagmar Boecker & Michael Gees

START: 02. November 2020

ZEIT: regulär montags 15–17 Uhr (WS20/21 nach Absprache und Raumkapazität)

ORT: Raum 312regulär / Räume nach Möglichkeit / je nach Wetter im Freien / Zoom-Meetings / Einzel-bzw. Kleingruppen-Unterrichte / Proben für Liednacht nach Bedarf und Gelegenheit

AUFTRITTE: Liednacht Aachen 5.Dez. 2020, Klassenabend 10. Jan. 2021, 17.00h, Kammermusiksaal.

Wir bewegen uns in diesem Seminar aus der Fülle freier Improvisation, über die Notwendigkeit des kompositorischen Dialogs hin zur kollektiven Musikerfindung aus dem Moment. Dabei werden die Unterschiede in der Wirkung der jeweiligen musikalischen Interaktionsformen herausgearbeitet. Darauf basierend werden Prinzipien ermittelt und Werkzeuge erprobt, die ein spontanes Komponieren vokaler Musiken in einer Weise ermöglichen, dass musikalische Interaktion und schöpferischer Vorgang sich schließlich auch in ein für Publikum spannendes Konzert übertragen lassen.

Wir verstehen Improvisation/Spontankomposition auch als Weg zu urheberschaftlicher Autorität bei Werk- und Lied-Interpretationen;  sie ist Möglichkeit sich als Stimm-Instrumentalist*in kompositorisch wirksam zu erleben; sie dient der Entwicklung zeitgemäßer Darbietungsformate und damit dem Kompetenzerwerb und der Schnittstellenfindung in zeitgenössischen interdisziplinären Projekten.

Gemeinsame Leitung/Anmeldung:Michael.Gees@hfmt-koeln.de  Dagmar.Boecker@hfmt-koeln.de

THEMEN-SCHWERPUNKT: Kollektive Musikerfindung als exemplarischer Vorgang für demokratische Gestaltungsprozesse.

Wir erschließen uns im Studienjahr 20/21 Perspektiven zum Themenkreis Kunst&Wandel als Beitrag zum Labor künstlerische Forschung 20/21: „Halt, Haltung, Verhalten – Künstlerisches Handeln zwischen Kontemplation und politischem Aktivismus“.

9. COMPOSING VOICES – Co&LABOR für Stimmen

Dagmar Boecker

START: 03. November 2020 für alle Stimmen aller Fachbereiche

ZEIT: dienstags 9.00–10.00 Uhr

ORT: Raum 308 und anderen Örtlichkeiten nach Absprache, Zoom.

Dieses künstlerisch – praktische LABOR ist ein Erfahrungs-Spielraum und Experimentier-Feld für Vokale Praxis und Formatentwicklung – im Offenen zwischen Sprechen und Singen, Laut und Gebärde, Musik und Szene, Bewegung und Poesie, Kontemplation und Konzert, Ritual und Affekt – jenseits von genrebezogenen oder stilistischen Verbindlichkeiten (…) Individuelle Impulse und Ideen geben Anlass für vokale Settings, Versuchskonstellationen und Tryouts.

Leitung/Anmeldung: Dagmar.Boecker@hfmt-koeln.de

PRAXIS-SCHWERPUNKT: IMproPULS #2 Wenn du es nicht tust, findet es nicht statt, MUSIK EINFACH MACHEN öffentlich, lokal, flexibel, spontan, unverstellt, direkt, überraschend, ansprechbar, in deiner Stadt. EINLADUNGEN zur Keimzellenbildung und ANKNÜPFEN an erste Experimente unter Covid-19 Bedingungen.

Beitrag zum Labor künstlerische Forschung 20/21 mit dem Thema: „Halt, Haltung, Verhalten: Künstlerisches Handeln zwischen Kontemplation und politischem Aktivismus“.

10. Die Zukunft entfalten. Künstlerisches Praxislabor für Studierende im Bachelor of Music

Evelyn Buyken

START: 06. November 2020

ZEIT: freitags, 11.15–12.45 Uhr

ORT: Raum 1.

Das, was wir beim Üben, Proben oder in Konzerten tun, läuft oft unbewusst und automatisiert ab. Wir wissen wie ein Lagenwechsel funktioniert, wie der Atem in einer Gesangsphrase einzuteilen ist oder der schwierige Lauf auf dem Klavier gelingt.

Aktuelle Theorien zum „Unfolding“ bzw. „Unpacking“ von Wissen betonen, dass künstlerische Forschung das Potenzial hat, diese inneren Wissensprozesse zu benennen und dabei die künstlerische Kreativität neu zu entfalten.

Der Bachelorabschluss bildet eine wichtige Schwellenzeit im Leben vieler Musikstudierender und neben herausfordernden Repertoirestudien und Übeplänen kommt der Fokus auf die eigene künstlerische Haltung und berufliche Vision oft zu kurz: Was zeichnet mich als Musiker*in aus? Warum mache ich Musik und wie bringe ich meine individuelle Künstlerpersönlichkeit zur Entfaltung?  

Gerade in einer Krisenzeit wie jetzt, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, brechen Selbstverständlichkeiten unserer künstlerischen Praxis weg. Die Lücke, die durch ausgesetzte Proben- und Konzerttätigkeiten entsteht, wirft uns möglicherweise verstärkt auf uns selbst zurück.

Dieses Praxislabor bewegt sich an den Schnittstellen von künstlerischer Praxis und künstlerischer Selbstreflexion. Es möchte den Studierenden einen Raum geben, konkrete Visionen für die Schlussphase des Bachelors zu formulieren und die Fähigkeit zur künstlerischen Selbstreflexion durch angeleitete Experimente auszubauen. Was möchte ich in meinem Abschlusskonzert präsentieren und wie? Wie viel Repertoiremusik interessiert mich?

Wie kann ich eigenschöpferisch und kreativ mit Musik umgehen, experimentelle Konzertformate entwickeln oder interdisziplinär arbeiten?

Die Veranstaltung ist offen für alle Studentinnen und Studenten (aller Standorte) im Bachelor of Music ab dem 5. Semester.

11. Fairplay – Musikalische Interpretation als politische Haltung?

 

Evelyn Buyken

START: 04. November 2020

ZEIT: mittwochs, 09.15–10.45 Uhr

ORT: Raum 13.

Die Frage, ob Musik politisch sein kann, ist komplex und würde den Rahmen dieses Seminars sprengen. Stattdessen geht es um ‚kleine’ Facetten des Politischen und des Sozialen in alltäglichen, musikalischen Formen der Interpretation und des Zusammenspiels. Kann eine bestimmte Interpretation oder ein Klang politisch sein? Wie können Klänge neue Orientierung geben oder die Beziehung zwischen Menschen beeinflussen?

Im Zentrum des Seminars steht die Lektüre und Diskussion von Brandon LaBelles „Sonic Agency“ (2018). LaBelle schreibt Klängen Eigenschaften zu, aus denen bestimmte Handlungsweisen, wie z.B. Formen des Widerstandes, Arten des Zusammenkommens und der Solidarität sowie Intensitäten des Erlebens, hervorgehen können. Darauf aufbauend schlägt dieses Seminar Brücken – sowohl zur eigenen künstlerischen Praxis in Form von angeleiteten Experimenten als auch zu historischer Musik, ihrer Klanglichkeit und ihren sozialen Bedeutungen.

Zur Teilnahme am Konzertprojekt „Fairplay #Menschenrechte“ des Cölner Barockorchesters unter Mitwirkung des Aktivisten und Feministen Vincent-Immanuel Herr und zur anschließenden Evaluation wird eingeladen.

Brandon LaBelle, „Sonic Agency“ (2018), verfügbar unter: research.gold.ac.uk/26808/1/Sonic%20Agency%20-%20Accepted%20Manuscript.pdf