Labor Künstlerische Forschung

 

Folgende Seminare umfasst das Labor Künstlerische Forschung im WS 21/22. Modalitäten zur Anmeldung finden Sie hier bzw. unter den enstprechenden Einträgen im Vorlesungsverzeichnis.

Übersicht

1 | Das Menschliche in der Musik ‒ körperbasierte Metaphorik in der Sprache der musikalischen Analyse

2 | Improvisation in Musik und Tanz - Empathie, Emotion, Emergenz

3 | physical practices - making connection

4 | Dialogische Formate

5 | Farinelli und andere. Geschichte des Kastratengesangs

6 | Tränen im Bein. Klang, Trauer und Bewegung im Funeral March

7 | Walk & Talk ? ... (or: feeding back, forward and around) 

8 | Die Zukunft entfalten. Künstlerisches Praxislabor für Studierende im Bachelor of Music

9 |  Intercultural Community-building through Music and Dance Projects

10 | NULLNULLEINS - Labor für interdisziplinäres Zusammenspiel

1 | Das Menschliche in der Musik ‒ körperbasierte Metaphorik in der Sprache der musikalischen Analyse

Astrid Bolay (Musiktheorie)
Ab 13.10.2021 | mittwochs, 09.30 – 11.00 Uhr | Raum F 21 (FHÖV)

Am Beispiel des 1. Satzes der „Sturmsonate“ von L. v. Beethoven werden verschiedene analytische Perspektiven miteinander verglichen – die funktionelle Formenlehre nach Erwin Ratz, das „energetische“ Formkonzept von August Halm, motivische Analyse im Stile Rudolph Rétis und die „Schichtenlehre“ Heinrich Schenkers. Es zeigt sich, dass jedem dieser analytischen Systeme ein Netz von vorbewussten und letztlich körperbasierten Metaphern zugrunde liegt. Je nachdem, welche Aspekte körperlich-menschlicher Grunderfahrungen es sind, die zur Strukturierung des Musikalischen herangezogen werden, unterscheidet sich der jeweilige analytische „Output“. Analyse, als eine Form des Denkens-in und des Sprechens-über Musik, wird so als gleichermaßen kreativer und intuitiver wie rationaler Prozess erkennbar. Denn metaphorisches Denken – unsere Fähigkeit und (unbewusste) Gewohnheit, einen Bereich unserer Erfahrung von einem anderen Bereich unserer Erfahrung her zu verstehen ‒ ist nichts Anderes als „auf Imagination beruhende Rationalität“ (zitiert nach: George Lakoff und Mark Johnson, Leben in Metaphern, Heidelberg 2007.)

2 | Improvisation in Musik und Tanz - Empathie, Emotion, Emergenz

Corinna Vogel (Musikpädagogik/EMP/Tanzpädagogik), Laurenz Gemmer (Liedbegleitung/Improvisation)
27.09. - 01.10.2021 | täglich von 09.00 – 14.00 Uhr

Lassen sich Emotionen in Improvisations- und Gestaltungsprozessen beeinflussen, provozieren oder gar verhindern? Wie verändern sie unseren Blick und unser Ohr auf Bekanntes und Fremdes? 

Wir haben so viel geübt, so viel gehört, so viel gesehen, so viel musiziert - die Kunst ist in uns. Im Seminar versuchen wir, an diese Potentiale zu gelangen, sie in ihrer Transformation sicht-, hör, tanzbar zu machen. Wissen, implizit. Wir betrachten unsre altneubekannten Repertoirestücke  fragmentieren sie, setzen sie neu für uns zusammen, bitten sie respektvoll in eine neue Matrix. Bleib Du, bitte! Wir verändern uns.

3 | physical practices - making connection

Vera Sander (Leitung ZZT), Nina Patricia Hänel (Tanzvermittlung)
Internes Laborprojekt des ZZT | Präsentation im Rahmen des Forums am 28. Januar 2022

Tanzpraxis am ZZT umfasst Praxisseminare wie z.B. tägliche tanztechnische Trainings, die  diverse Zugänge und Verständnisse von Werkzeugen körperlicher und künstlerischer Praxis vermitteln. Im Zentrum von physical practices – making connection steht das In-Den-Blick-Nehmen jener Vielfältigkeiten. Um einen dialogischen und kontinuierlichen Austausch unter den Akteur*innen zu ermöglichen, basiert das Format auf einem „Weitergabeprinzip“.
Jeweils ein/e tanzpraktisch Lehrende/r arbeitet mit einer Studierendengruppe des BA Tanz und öffnet in der letzten Phase dieser Zusammenarbeit diese für den folgenden Lehrenden, welche/r dann „den Faden aufgreift“ und sich dazu in Relation setzen kann. An diesem Setting sind 8 Lehrende beteiligt und er erstreckt sich über 8 Wochen. In rahmenden Treffen werden Methoden, Ansätze und Prinzipien verhandelt. Dabei geht es um den aktiven und offenen praxisorientierten Austausch und das vertiefende „Kennenlernen“,  Erfassen und Erleben jeweils spezifischer tanzpraktischer Ansätze, Methoden und Vorgehensweisen, deren Potenzial und Kontextualisierung. Im Rahmen der Abschlussveranstaltung am 28. Januar 2022 geben Teilnehmer*innen dieses Labors Einblicke in diesen Prozess.

4 | Dialogische Formate

Vera Sander (Leitung ZZT), Nina Patricia Hänel (Tanzvermittlung)

Internes Format des ZZT | Einladung zum gemeinsamen hochschulweiten Austausch  am Freitag, den 17.12.2021, 14.30-17.30 Uhr im ZZT

Lehrformate am ZZT sind vielfach studiengangübergreifend und interdisziplinär konzipiert. Seminare finden u.a. in Form von Team-Teaching statt. Auch im Wintersemester 2021/22 sind solche dialogischen Formate geplant wie beispielsweise:

Depth of field: Ethnography, Dance, and Documentary Film mit Prof. Dr. Sevi Bayraktar & Michael Maurissens, modes of touch(ing) mit Prof. Jan Burkhardt & Prof. Nina Patricia Hänel oder Performing the Memories mit Miriam Althammer & Prof. Vera Sander.

Potenziale von Vielperspektivität/Mehrperspektivität in Team-Teaching-Formaten zeigen sich sowohl in den Vermittlungssituationen selbst und auch in Entstehungsprozessen solcher Formate: Im dialogischen Kennenlernen, Annähern, Sich-Inspirieren-Lassen und dem Gestalten von dynamischen und situativen Relationalitäten. In begleitenden Treffen begeben sich die Teilnehmer*innen in einen Austausch, um Potenziale geteilten Wissens zu ergründen und vermittelnde Strategien des Weitergebens, Teilhabens, Teilens, Übersetzen, Kontextualisierens und Transformierens zu verhandeln. Im Dezember 2021 lädt das ZZT zu einer öffentlichen Veranstaltung ein, die Potenziale dialogischer Formate in den Blick nimmt und diskutiert.

5 | Farinelli und andere. Geschichte des Kastratengesangs

Arnold Jacobshagen (Musikwissenschaft)
Ab 13.10.2021 bis 02.02.2022 | mittwochs, 09.15 – 10.45 Uhr | Wissenschaftszentrum - Köln, Seminarraum 803/304

Kastratensänger waren im 17. und 18. Jahrhundert die gefeierten Stars des Opernbetriebs. Auch in der Kirchenmusik, in der die Mitwirkung von Frauen lange Zeit verboten war, spielten Sie eine wesentliche Rolle. Das Seminar untersucht die Geschichte des Kastratengesangs auf der Basis der Lektüre aktueller Forschungsliteratur. Teilnahme Voraussetzung ist die Bereitschaft zur regelmäßigen Lektüre auch englischsprachiger Texte.

6 | Tränen im Bein. Klang, Trauer und Bewegung im Funeral March

Evelyn Buyken (Künstlerische Forschung/Musikwissenschaft)
Ab 06.10.2021 bis 02.02.2022 | mittwochs, 09.15 – 10.45 Uhr | Raum F 14 (FHÖV)

"March, dead march: boam, boam ... boam boam. And we start off with the dead body." (Purcey Humphrey zum Jazz-Funeral, 1960)

Ins Grab gelangt der tote Körper nicht allein. Wir tragen ihn gehend zu seiner letzten Ruhestätte. Dieses letzte Geleit ist verdichtete Trauerarbeit auf der Schwelle zwischen Leben und Tod, die je nach Ort und Zeit spezifisch kulturell codiert ist. Der Trauergang ist aber eben auch ein klangliches und im Rhythmus der Musik körperlich realisiertes Ereignis. Das Seminar untersucht diese klanglichen, körperlichen und emotionalen Verdichtungen am Beispiel von musikalischen Trauermärschen und ihren Verkörperungen im Gehen und wie in dieser Kombination Trauer artikuliert, erfahren und geteilt wird. Wir erfassen überblicksartig einige Trauerkompositionen zwischen Henry Purcells "Funeral March for Queen Mary"und dem Jazz-Funeral der 1960er Jahre in New Orleans. Dazu vertiefen wir einzelne Aspekte, wie z.B. geschlechtsspezifische Gangarten, Rhythmiken des Trauerns und alternative Trauerbewegungen – das Werfen des Körpers oder das Ringen der Hände – und wie diese musikalisch‚ übersetzt’ werden. Wir reflektieren sowohl auf der Grundlage von Literatur und Klängen als auch im praktischen Vollzug der beobachteten Klang- und Bewegungsphänomene.

7 | Walk & Talk ? ... (or: feeding back, forward and around) 

Jan Burkhardt (Zeitgenössische tanzkünstlerische Praxis/Bartenieff-Analysis), Evelyn Buyken (Künstlerische Forschung/Musikwissenschaft), Constanze Schellow (Wissens- und Vermittlungskulturen)
26., 28., 29.10.2021 und 11.01.2022 | jeweils 14.30 - 17.30 Uhr
28.01.2022 im Rahmen des Forums, sowie individuelle Mentorings

Gemeinsames Gehen (als Basis, andere Fortbewegungsarten sind explizit erwünscht) 
...als Verständigungspraxis zwischen choreographischem (Tanz)Körper und  musikalischem (klingendem) Körper
...als ein Oszillieren, Verhandeln, Verweben, Räsonieren von motorischer Bewegung, Klangbewegung und Wortbewegung 
…    als Einladung, Wort, Klang und Bewegung als künstlerisches Präsenz- Material zu erfahren
…    als Weg- und Zeitstrecke, in welcher die oft entkoppelten vermeintlichen Pole Praxis und Reflexion sich im stetigen Wechselverhältnis rückkoppeln : im gleichzeitigen Machen und Sprechen über dieses
…    als Untersuchung des Dazwischen: zwischen dem Machen der Praxis und ihrer expliziten Versprachlichung
…    als Moment des performativen und diskursiven Sinn-Machens: Eine(r) der Partner*innen praktiziert und spricht dabei über das Machen, die/der Andere nimmt wahr und speist zurück, durch ihr/sein Klang-, Bewegung-. Wortmaterial

Das Seminar findet an drei Nachmittagen in der Woche vom 25.-29.10 als Einführung im Gruppenformat statt. Dafür bitte eine Bewegungs- und/oder Klang-Miniatur als Ausgangsmaterial mitbringen bzw. ad hoc entstehen lassen.
Anschließend verabreden sich Teilnehmende in 2er Konstellationen über den Rest des Semesters, mit Evelyn, Constanze und Jan als Mentor*innen im Hintergrund. 

Abschluss wird ein orchestral-choreographischer Ensemble-Walk im Rahmen des Forums Künstlerische Forschung am 28.01.2022.     

8 | Die Zukunft entfalten. Künstlerisches Praxislabor für Studierende im Bachelor of Music

Evelyn Buyken (Künstlerische Forschung/Musikwissenschaft)
Ab 05.10.2021 bis 01.02.2022 | dienstags, 09.15 – 10.45 Uhr | Hauptgebäude - Köln, Raum 13

Der Bachelorabschluss bildet eine wichtige Schwellenzeit im Leben vieler Musikstudierender. Neben herausfordernden Repertoirestudien und Übeplänen kommt der Fokus auf die eigene künstlerische Haltung und berufliche Vision oft zu kurz: Was zeichnet mich als Musiker*in aus? Warum mache ich Musik und wie bringe ich meine individuelle Künstlerpersönlichkeit zur Entfaltung? 

Dieses Praxislabor bewegt sich an den Schnittstellen von künstlerischer Praxis, künstlerischer Selbstreflexion und Theorien Künstlerischer Forschung. 
Anhand der Diskussion einschlägiger Texte zur Künstlerischen Forschung und einer Einführung in Methoden des künstlerisch-forschenden Arbeitens, möchte dieses Seminar den Studierenden einen Raum geben, konkrete Visionen für die Schlussphase des Bachelors zu formulieren und die Fähigkeit zur künstlerischen Selbstreflexion durch angeleitete Experimente auszubauen. 

Was möchte ich in meinem Abschlusskonzert präsentieren und wie? Wie viel Repertoiremusik interessiert mich?
Wie kann ich eigenschöpferisch und kreativ mit Musik umgehen, experimentelle Konzertformate entwickeln oder interdisziplinär arbeiten?
Ziel ist das Erarbeiten und Ausprobieren eines künstlerischen Projektes, in dem die eigene künstlerische Praxis mit Sprache (Moderation), Text (Programmheft/Ausarbeitung etc.), Bild oder Tanz (interdisziplinäre Projekte) verknüpft wird. Im Mittelpunkt stehen die Studierenden und ihre künstlerische Entfaltung. Ausgehend von diesem Potenzial machen wir künstlerische Forschung – am Instrument, mit der Stimme und mit Worten. 

Die Veranstaltung ist offen für alle Studierende im Bachelor of Music ab dem 5. Semester.

9 |  Intercultural Community-building through Music and Dance Projects

Sevi Bayraktar (Tanz/Peformance & Musik im globalen Kontext), Barbara Rucha (Ensembleleitung und deren Didaktik), Corinna Vogel (Musikpädagogik/EMP)
Ab 07.10.2021 | donnerstags, 15.00 - 16.30 Uhr | Raum 114

This course guides students to handle their own projects and investigate dance and music related community settings such as those working with children, youth, and disprivileged groups such as migrant women and refugees and institutions working in such intercultural contexts in NRW.  Dance and music students are expected to collaborate to compose groups in order to explore artistic projects regarding the course theme. Students will present their intercultural dance and music projects at the end of the year in a workshop format. It is planned to be presented to the HFMT public as part of the Labor Künstlerische Forschung: Embodiment - Emotion - Empathie program. This course offers a multidisciplinary, cross-campus, and inter-institutional project between Cologne and Wuppertal. 

10 | NULLNULLEINS - Labor für interdisziplinäres Zusammenspiel

Brigitta Muntendorf (Komposition Neue Musik)
Ab 13.10.2021 bis 27.01.2022 | mittwochs, 19.00 - 21.30 Uhr | Hauptgebäude - 001 Studiobühne

NULLNULLEINS ist ein Labor für interdisziplinäres Zusammenspiel, bei dem das künstlerische Experiment und die gemeinsame Reflexion u.a. mit Gästen aus den Bereichen Komposition, Performance, Choreographie, Regie, wie auch Philosophie und Soziologie im Zentrum stehen. NULLNULLEINS wird im Wintersemester 2021/22 künstlerischen Kollaborationen auf den Grund spüren – eingeladene Gäste stellen dabei ihre Arbeitsweisen vor, Modelle für gemeinschaftliche Arbeitsprozesse von Factory bis hin zu Künstlerkollektiven werden untersucht. Daneben erproben wir künstlerisch selbst die Community of Practice –KomponistInnen, InstrumentalistInnen, TänzerInnen, PerformerInnen und MusikwissenschaftlerInnen sind herzlich eingeladen, an dem Experiment teilzunehmen, kompositorische Ideen im künstlerischen Dialog durch Einbringung und Erweiterung von eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und verschiedene Arbeitsweisen, u.a. auch mit technischem Equipment zu erproben.  Die gemeinsame kritische Reflexion und die Kreation von interdisziplinären, transmedialen oder theatralen Arbeiten stehen im Zentrum des Seminars und münden in einem Showing, dessen Form im Laufe des Seminars bestimmt wird.

Gäste sind in diesem Semester u.a. die renommierte Sängerin Elaine Mitchener und der Choreograph Dam van Huynh, deren neue Produktion wir im Rahmen des FMN-Festivals besuchen werden, die libanesische Klangkünstlerin und Komponistin Cynthia Zaven oder Rimini-Protokoll. Zudem wird Sergej Maingardt an zwei unserer Sessions einen Einblick in die performative Arbeit mit Sensoren geben.