Call for Contributions für das Labor
Künstlerische Forschung im
Wintersemester 2022/23

 

 Am Ende der/die Welt? GeSchichten von Menschen, Dingen und Materien

Call for Contributions für das Labor Künstlerische Forschung im Wintersemester 2022/23

Am Ende der/die Welt? GeSchichten von Menschen, Dingen und Materien

„It seems that the utopian imagination is trapped, like capitalism and industrialism and the human population, in a one-way future consisting only of growth." Ursula. K. Le Guin, Dancing at the End of the World, 1989

Wie definieren wir uns als Menschen in unserem künstlerischen Tun? Von welchen Fortschrittsbildern oder anderen Narrativen des Humanen lassen wir uns beim Spielen, Tanzen, Singen, Komponieren, Analysieren, Improvisieren oder Unterrichten leiten? Üben und trainieren wir, um besser zu werden, um den Wettbewerb zu gewinnen oder den Preis zu ergattern? Welchen Vorstellungen von Menschsein begegnen uns in der Übezelle, im Studio, auf der Bühne, in Ausbildungsinstitutionen? Wie lassen uns Modelle des Expert*innentums, der Meisterschaft oder Exzellenz denken, was wir als Menschen mit und in unserer Kunst sind oder sein wollen/werden?

Sporen, Myzele oder Flechten bieten in posthumanen und feministischen Theorien alternative Geschichten von Zeit, Mensch-Sein, Fortschritt, von Lebensfähigkeit und von Zukunft an. Was also, wenn das eine nicht auf das andere folgt, sondern schon das andere beinhaltet? Dann geht es um Verbindung, relationale Beziehung, um die Verschmelzung menschlicher und nicht menschlicher Phänomene, Pflanzen und Technik, um Begegnung und Interkonnektivität, um das Üben, Aufführen und Forschen als ein In-der-Welt-sein. Dahinter steckt die Botschaft, den Selbstwert von Aushandlungen mit sich, den anderen und der Welt zu erkennen. Was, wenn unser Wunsch nach Besserwerden einer Bereitschaft für Risiko und Prekarität weicht?

Das Labor Künstlerische Forschung beschäftig sich im Wintersemester 2022/23 mit Denkfiguren des Menschens, der Dinge und Materien und wie Musik und Tanz in diesen widerhallt.

Mögliche Themenkomplexe:

• Verflochtenheit von menschlichen und nicht-menschlichen Dingen: Mit wem oder was gehen wir beim Tanzen, Spielen oder Singen Verbindungen ein? Welche Bedeutung haben Räume, Gegenstände, belebtes und unbelebtes Material für unsere künstlerische Praxis?

• Post-instrumentaler Diskurs und Spielpraxis: Wie zentral ist das Instrument für unser Selbstverständnis als Künstler*in? Welche Rolle spielen kollaborative Performance-Praktiken für unsere Identität? Was, wenn wir unser Expert*innensein als Fähigkeit, ein Instrument exzellent beherrschen zu können, in Frage stellen?

• Theorien des Posthumanen: Wie beeinflussen posthumane Theorien über die Myzelisierung des Menschen unsere Vorstellungen vom Künstler*innensein? Wie antworten posthumane Diskurse auf gegenwärtige politische Krisen und Kriege? Und welche Rolle spielt darin die Kunst?

• Geschichten des Menschenseins in den Künsten: Welche Narrative über das Menschsein und Metamorphosen des Menschen sind in Tanz- und Musikgeschichte entstanden und woran orientieren wir uns heute?

• Robotik, Cyberart und Mensch-Maschinen: Wie werden Transformationen des Menschen in der Neuen Musik, in experimentellen Aufführungsformaten, digitaler Kunstpraxis oder Elektronischer Musik verhandelt?

Wie es geht...

Dieser Call richtet sich an alle Lehrenden der HfMT Köln und ist eine Einladung, das hochschulweite Netzwerk „Labor Künstlerische Forschung“ durch einen eigenen Beitrag mitzugestalten. Hierfür gibt es zwei Optionen:

Option 1 (insbesondere für alle, die in der wissenschaftlichen, künstlerisch- wissenschaftlichen, didaktischen Lehre tätig sind):

Ihr könnt eine eurer Lehrveranstaltungen (ein Seminar, eine Vorlesung, eine Workshop-Reihe o.ä.) inhaltlich am Labor andocken. Wir werden uns zwei Mal im Semester (zu Beginn und zum Schluss) treffen, um die inhaltlichen Verknüpfungen vorzustellen und darüber ins Gespräch zu kommen. Das „Plenum“ im Oktober 2022 ist die Auftaktveranstaltung des „Labors Künstlerische Forschung“, in der sich alle beteiligten Lehrenden mit ihren Themen vorstellen und sich die Studierenden untereinander vernetzen können. Im Rahmen des „Forums“ am 3. Februar 2023 werden die Ergebnisse dieser Veranstaltung im Rahmen einer Open Stage präsentiert. Im Vorlesungsverzeichnis wird die jeweilige Veranstaltung an der regulären Stelle in den entsprechenden Fachbereichen aufgeführt und vermerkt, dass diese Lehrveranstaltung zum hochschulweiten „Labor Künstlerische Forschung“ gehört.

Option 2 (insbesondere für alle, die in der künstlerischen, künstlerisch- vermittelnden Lehre tätig sind):

Innerhalb des „Labors Künstlerische Forschung“ bündelt das Ring-Labor Einzelbeiträge (Workshops, open classes, Übelabore o.ä.) verschiedener Dozentinnen und Dozenten der HfMT Köln. Hier haben Lehrende die Möglichkeit, einmalig und unkompliziert ihre künstlerische Praxis in Anlehnung an das Labor-Thema vorzustellen und einer interessierten Hochschulöffentlichkeit zugänglich zu machen. Alle eingereichten Angebote werden dann in Absprache mit den beteiligten Lehrenden terminlich koordiniert und ebenfalls über den Flyer beworben. Je nach Umfang der eingereichten Beiträge können Studierende durch die Teilnahme an allen Angeboten Credits erlangen.

Bitte schicken Sie/schickt euer Angebot (mit Titel und einem kurzen Beschreibungstext) bis zum 30. Juni 2022 an Evelyn Buyken (Evelyn.buyken(at)hfmt-koeln(dot)de).

Save the date: Forum Künstlerische Forschung // 03. Februar 2023 // Kammermusiksaal